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Netze

Infrastruktur, die trägt

Ioannis Lipidakis, technische Führungskraft Strom im Netzmanagement der Stadtwerke Wolfenbüttel.

Netz unter Strom

Wärmepumpen, Wallboxen, Photovoltaik: Das Stromnetz muss heute mehr leisten als früher und vor allem flexibler reagieren. 2025 war ein Jahr, in dem aus langfristigen Plänen konkrete Schritte wurden.

Ioannis Lipidakis, technische Führungskraft Strom im Netzmanagement der Stadtwerke Wolfenbüttel.

Ioannis Lipidakis kennt als Führungskraft im Netzmanagement die Herausforderungen für das Wolfenbütteler Stromnetz ganz genau.

Das Netz arbeitet nicht mehr nur in eine Richtung

Früher war das Prinzip einfach: Strom kam von wenigen großen Erzeugern und floss zu den Verbrauchern. Heute speisen allein im Netzgebiet der Stadtwerke Wolfenbüttel 466 Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 6 Megawatt ein – Tendenz steigend. Gleichzeitig erzeugen schätzungsweise 120 Wärmepumpen und rund 200 Ladepunkte neue Lastspitzen. Beides trifft oft zur gleichen Zeit aufeinander. „Unsere Aufgabe ist es, diese Dynamik sicher zu beherrschen, damit Spannung und Versorgung stabil bleiben“, sagt Ioannis Lipidakis, technische Führungskraft Strom im Netzmanagement der Stadtwerke Wolfenbüttel.

Ausbau dort, wo es eng wird

Die Stadtwerke setzten 2025 mehrere Maßnahmen um, um das Netz robuster zu machen. Zwölf Trafostationen wurden neu gebaut oder modernisiert, rund 9,4 Kilometer Leitungen und Kabel verstärkt und erneuert, unter anderem in der Okertalsiedlung. In Salzdahlum entstand eine redundante Trasse nach dem sogenannten n-1-Prinzip: Fällt eine Leitung aus, bleibt die Versorgung über einen zweiten Weg gesichert. Ein wichtiger Trend dabei: größere Kabelquerschnitte. Sie schaffen Reserven für mehr Einspeisung aus Photovoltaik und für steigende Lasten im Alltag. Insgesamt investierten die Stadtwerke 2025 rund fünf Millionen Euro in das Stromnetz, davon rund 3,5 Millionen Euro allein in Trafostationen, Leitungen und Netzautomatisierung.

Steuerung statt nur „mehr Kabel“

Weil Ausbau allein nicht ausreicht, wird die intelligente Steuerung immer wichtiger. Die Stadtwerke erweiterten 2025 die Fernüberwachung elektrischer Größen auf der Mittelspannungsebene und bauten Fernwirk- und Fernsteuertechnik an vier weiteren Messpunkten aus – etwa in den Stationen Herrenbreite und Birkenweg. So lassen sich dort Engpässe früher erkennen, Fehler schneller eingrenzen und Umschaltungen gezielter durchführen. „Das Netz entwickelt sich vom reinen Transporteur zum Systemmanager“, sagt Ioannis Lipidakis. „Wir müssen nicht immer sofort neues Kabel verlegen. Oft hilft es schon, wenn wir schneller reagieren und gezielter schalten können.“ Für die Niederspannung bauen die Stadtwerke Ortsnetzsteuerung und Lastmanagement schrittweise auf. Das ist auch eine zentrale Anforderung aus § 14a EnWG: Verbraucher wie Wärmepumpen oder Ladepunkte sollen künftig netzdienlich eingebunden werden, damit Lastspitzen besser beherrschbar werden.

Vorausschau ist Teil der Lösung

Mit jedem neuen Anschluss steigt die Komplexität. Deshalb braucht es nicht nur Maßnahmen im Feld, sondern Planung mit Weitblick. Für 2026 und die Folgejahre haben die Stadtwerke klare Vorhaben: weitere Trafostationen modernisieren, Engpassstellen gezielt beseitigen und das Lastmanagement weiter ausbauen, um Elektromobilität, Wärmepumpen und dezentrale Einspeisung noch besser in den Netzbetrieb zu integrieren. Die Digitalisierung und Automatisierung des Netzes spielen dabei eine Schlüsselrolle.

„Das Netz entwickelt sich vom reinen Transporteur zum Systemmanager.“
Ioannis Lipidakis, technische Führungskraft Strom im Netzmanagement

Zahlen zum Stromnetz

Icon einer Hand mit MünzeMillionen Euro

Investitionen der Stadtwerke Wolfenbüttel ins Stromnetz im Jahr 2025.

Icon eines GebäudesTrafostationen

neu gebaut oder modernisiert – für mehr Netzkapazität und Stabilität vor Ort.

Icon einer SolaranlagePV-Anlagen mit 6 MW

speisten ins Netzgebiet ein – Tendenz steigend.

Neues aus dem Netz

Sanierung der Trinkwasserspeicher abgeschlossen

Die Stadtwerke Wolfenbüttel haben nach der Sanierung des Trinkwasserspeichers Drohnenberg Nord nun auch den zweiten Behälter am Standort Drohnenberg in der Salzdahlumer Straße modernisiert. Der südliche Stahlbetonbehälter aus dem Jahr 1973 fasst wie sein Zwilling 3.500 Kubikmeter und gleicht Lastspitzen aus – auch als Puffer bei Störungen im Wasserwerk. Für die Ertüchtigung investierten die Stadtwerke 1,25 Millionen Euro. Neben neuer Beschichtung, Edelstahlleitungen sowie moderner Be- und Entlüftung wurden auch Beleuchtung und Füllstandsmessung erneuert.

Luftbild der beiden Trinkwasserbehälter mit PV-Anlagen auf den Dächern.

So wird Wandel konkret