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Interview

Wie die Stadtwerke Wolfenbüttel Kurs halten

Doppelporträt von Vera Steiner und Ingo Schultz, Geschäftsführung der Stadtwerke Wolfenbüttel.

Die Energiewelt ist seit Jahren in Bewegung. Im Doppelinterview sprechen die beiden Geschäftsführer Vera Steiner und Ingo Schultz darüber, warum die Stadtwerke Wolfenbüttel deshalb auf eine langfristige Strategie setzen und wie sie 2025 konkrete Schritte bei Netzen, Erzeugung und Service umgesetzt haben.

Frau Steiner, die Energiewelt wirkt seit Monaten wieder unruhiger. Was bedeutet das für ein Stadtwerk?

Vera Steiner: Es bestätigt, was wir seit Jahren erleben: Rahmenbedingungen ändern sich schneller, als Infrastruktur gebaut werden kann. Politik, Marktmechanik, Erwartungen der Menschen – alles ist in Bewegung. Unser Auftrag bleibt aber gleich: verlässlich versorgen. Dafür brauchen wir Ruhe im Handeln und einen klaren Plan.

Sie betonen den langfristigen Blick. Warum ist eine Strategie in dieser Lage wichtiger als ein schnelles Reagieren von Jahr zu Jahr?

Steiner: Weil unsere Entscheidungen nicht für eine Wahlperiode gelten. Ein Kabel, eine Trafostation, eine Anlage – das liegt 20, 30 Jahre in der Erde. Wenn wir nur kurzfristig reagieren, zahlen wir später doppelt. Strategie heißt für uns: Prioritäten setzen, Reihenfolgen klären und Investitionen so planen, dass sie dauerhaft tragen.

Porträt von Vera Steiner, Geschäftsführerin der Stadtwerke Wolfenbüttel.
„Unsere Investitionen gelten nicht für eine Wahlperiode. Sie müssen 20, 30 Jahre tragen.“
Vera Steiner, kaufmännische Geschäftsführerin und Sprecherin der Stadtwerke Wolfenbüttel

Herr Schultz, Sie verantworten den technischen Bereich. Wo merkt man im Netz am deutlichsten, dass sich die Versorgung elektrifiziert?

Ingo Schultz: An der Gleichzeitigkeit. Wärmepumpen, Ladepunkte, Photovoltaik sind keine Randthemen mehr. Sie verändern Last und Einspeisung im Tagesverlauf. Das Netz arbeitet nicht mehr nur in eine Richtung. Darum reicht es nicht, nur „mehr Kabel“ zu verlegen. Wir müssen das Netz auch steuern können.

Was heißt das konkret? Welche Schwerpunkte haben Sie 2025 gesetzt?

Schultz: Wir haben investiert, um Kapazitäten zu schaffen und das Netz robuster zu machen – mit neuen bzw. modernisierten Stationen, verstärkten Leitungen und zusätzlicher Technik zur Überwachung und Fernsteuerung. Zudem gestalten wir das Lastmanagement weiter aus, damit wir Engpässe früher erkennen und im Betrieb schneller reagieren können. Wir haben im Jahr 2025 mit fünf Millionen Euro unsere Investitionen ins Stromnetz gegenüber dem Vorjahr ungefähr verdoppelt und befinden uns im weiteren Hochlauf.

Frau Steiner, wie fällt Ihre Bilanz des Geschäftsjahres 2025 aus?

Steiner: Insgesamt sehr positiv. Wir haben wichtige Vorhaben umgesetzt und die Stadtwerke stabil durch ein anspruchsvolles Umfeld geführt. Das Ergebnis vor Steuern lag mit rund 850 TEUR über Plan. Dazu beigetragen haben bessere Erträge aus Nebengeschäften und sonstigen betrieblichen Erträgen sowie höhere Zinserträge – und zugleich geringere Personalkosten. Gleichzeitig sind Material- und sonstige Aufwände gestiegen, konnten das Plus aber nicht aufzehren. Wichtig war uns außerdem, vorausschauend zusätzliche Rückstellungen für die Stilllegung beziehungsweise den Rückbau der Gasnetze zu bilden. Entscheidend war, dass wir in den Teams sehr fokussiert gearbeitet haben und trotz vieler parallel laufender Aufgaben verlässlich geliefert haben.

Wenn Sie sagen: „Prioritäten setzen“ – was stand für Sie 2025 ganz oben?

Steiner: Versorgungssicherheit und Zukunftsfähigkeit. 2025 haben wir das sehr konkret gemacht: Wir haben rund fünf Millionen Euro ins Stromnetz investiert, zwölf Trafostationen neu gebaut oder modernisiert und 9,4 Kilometer Leitungen und Kabel verstärkt und erneuert. Gleichzeitig haben wir die Daseinsvorsorge beim Trinkwasser mit dem Abschluss der Modernisierung des Trinkwasserspeichers Drohnenberg gestärkt. So gestalten wir den Wandel mit Augenmaß – nicht nur als Plan, sondern im Alltag.

Ein sichtbarer Schritt war die Einführung eines regionalen Ökostromproduktes. Was steckt dahinter?

Steiner: Regionalität schafft Vertrauen. Viele Menschen wollen nachvollziehen können, woher ihr Strom kommt. Deshalb setzen wir auf ein Stromprodukt mit regional nachweisbarer Erzeugung. Das ist nicht nur ein Kommunikationspunkt, sondern Teil einer langfristigen Ausrichtung: Wertschöpfung in der Region halten und Abhängigkeiten reduzieren.

Porträt von Ingo Schultz, Geschäftsführer der Stadtwerke Wolfenbüttel.
„Ausbau bleibt wichtig. Entscheidend ist, dass wir Infrastruktur und Betrieb zusammendenken.“
Ingo Schultz, technischer Geschäftsführer der Stadtwerke Wolfenbüttel

Herr Schultz, die Netze sind die Basis. Aber die Energiewende passiert auch beim Kunden. Wie greifen diese Ebenen ineinander?

Schultz: Sie hängen direkt zusammen. Wenn mehr Menschen Photovoltaik installieren, Wärmepumpen nutzen oder elektrisch fahren, verändert das das Netz. Darum müssen wir beides zusammendenken: Lösungen ermöglichen und gleichzeitig die Infrastruktur so entwickeln, dass sie das sicher trägt.

Frau Steiner, viele Kundinnen und Kunden fühlen sich von Regeln, Förderkulissen und politischen Kurswechseln überrollt. Was ist Ihre Antwort als Stadtwerk?

Steiner: Orientierung. Wir wissen: Nicht jeder kann und will jeden Monat neue Vorgaben studieren. Deshalb setzen wir auf Beratung, verständliche Informationen und persönliche Ansprechpartner. Wir haben Kundennähe messbar gemacht: Unser Kundenservice hatte über 9.000 Kontakte allein in unserem Kundencenter. Unsere Kompetenz ist in Wolfenbüttel also gefragt. Die Energiewende darf nicht überfordern. Sie muss Schritt für Schritt machbar sein. Und sie findet für die Bürgerinnen und Bürger hier vor Ort statt.

Und intern: Was braucht es, damit ein Unternehmen diesen Wandel stemmen kann?

Steiner: Kultur und Kompetenz. Wir investieren in Weiterbildung, in klare Prozesse und in Zusammenarbeit über Bereiche hinweg. Veränderung gelingt nur, wenn Menschen sie mittragen – nicht nur verstehen, sondern auch gestalten können. Das ist ein kontinuierlicher Weg.

Was erwarten Sie von Politik und Regulierung, damit Sie langfristig planen können?

Steiner: Verlässlichkeit. Wir brauchen Rahmen, die nicht alle zwei Jahre neu sortiert werden.

Schultz: Technisch ist vieles machbar. Aber Planungssicherheit entscheidet, wie effizient wir investieren und wie schnell wir umsetzen können.

Zum Schluss: Was ist Ihre wichtigste Botschaft an Aufsicht, Partner und Öffentlichkeit?

Steiner: Wir bleiben ein verlässlicher Partner für Wolfenbüttel und gestalten die Energiewende vor Ort mit, ohne in Aktionismus zu verfallen.

Schultz: Die Zukunft liegt in einem intelligenten Netzbetrieb und in einer Infrastruktur, die heute schon auf morgen ausgelegt ist.

So bringen wir Wolfenbüttel voran